SEGELN, REISEN, LEBEN
Auf Weltreise mit unserem Segelboot

April 2025 - Die malerischen San Blas Inseln / Guna Yala

Einmal quer durch das karibische Meer. Nördlich von uns liegen die Dominikanische Republik, Haiti und Jamaika. Südlich befinden sich die Südamerikanischen Länder Venezuela und Kolumbien. Jedes dieser Länder hat diverse Reisewarnungen. Unsere Route führt jedoch mittig, durch internationale Gewässer und wir fühlen uns zu jeder Zeit sicher, zumal wir mit zwei Booten unterwegs sind. Die Überfahrt verläuft gut und unproblematisch. Lediglich auf Höhe Barranquilla und Cartagena wird es sportlich. Das Seegebiet hier wird in Seglerkreisen als die Biskaya der Karibik bezeichnet und gehört zu den anspruchsvollsten Segelgebieten der Karibik, da hier extreme Böen, Fallwinde, Strömungen und Wellen auftreten können. Wir sind gut vorbereitet und segeln stark gerefft, sicher durch dieses Gebiet hindurch. Nach 930 Seemeilen erreichen wir die Insel El Porvenir im malerischen San Blas Inseln. Hier können wir offiziell ins Land einreisen und erleben den ersten Kontakt mit den Gunas. Das San Blas Archipel ist ein autonomes Gebiet in Panama, bewohnt und verwaltet vom indigenen Volk der Guna Yala. Das Gebiet ist aufgrund der traditionellen Lebensweise sowie den strikten Regelungen nicht touristisch erschlossen. So wurde beispielsweise auch der kleine Flughafen vom Kongress der Gunayala vor kurzem geschlossen, um den Tourismus einzudämmen. So zumindest die Aussage von Nestor, eines Gunas, der es sich zur Aufgabe gemacht hat Segler beim Einchecken zu begleiten um zu „helfen“, gegen ein Entgelt, versteht sich… Wenn auch etwas aufdringlich ist sehr freundlich und begleitet uns eine Weile über die Insel und erzählt allerlei Anekdoten. Zurück auf dem Boot werden wir gleich von mehreren Einbaum Kanus besucht, die versuchen uns etwas zu verkaufen. Meist traditioneller Schmuck aus kleinen, aufgefädelten Plastikperlen oder die traditionellen bunt bestickten Molas‘. Unter anderem gibt es jedoch auch selbst genähte und besticke Gastlandflaggen, was uns sehr gelegen kommt.
Am kommenden morgen machen wir uns auf, um Stück für Stück die schöne Inselwelt zu erkunden. Unser erster Stopp sind die Lemmon Cays. Hier ankern wir vor einer kleinen Insel, mit einer Ansammlung kleiner und einfacher Ferienhütten, die auf Stelzen über dem Wasser gebaut wurden. Wirklich alt sehen die Hütten nicht aus, jedoch stehen Sie leer und wirken etwas verwahrlost. Das Geschäft mit Touristen hat überall Vor- und Nachteile. Haben will Sie eigentlich niemand, zumindest nicht in Scharen und am besten nicht vor der eigenen Haustür, wenn Sie jedoch gänzlich ausbleiben, gehen eben solche Ferienunterkünfte und kleine Restaurants daran zu Grunde.

Auf der Nachbarinsel finden wir später noch ein offensichtlich gut laufendes ‚Restaurant‘. Unter einem Restaurant versteht man hier eine offene Hütte am Strand, die gleichzeitig als Bar/Restaurant aber auch als Küche und Wohnzimmer der Inselbewohner dient. Eine Speisekarte gibt es meist nicht, serviert werden einfache Gerichte, in der Regel frittierter Fisch oder Hühnchen mit Pommes und ein wenig Krautsalat. Vorher gönnen wir uns jedoch noch die wohl weltbeste Piña Colada. Eine frische Ananas wird ausgehöhlt, die Stücke püriert und zusammen mit frischer Kokosmilch und Rum, in der Ananas serviert. Großartig!

Von den Lemmon Cays fahren wir weiter zum sogenannten Swimmingpool Ankerplatz bzw. nach Bannedup. Ein Ort, um die Seele baumeln zu lassen. Weißer Sandstrand, Palmen, türkies-blaues Wasser und gleich zwei Strandrestaurants bzw. Bars zum Verweilen. Nicht verwunderlich, dass wir hier auch wieder auf einen Teil unserer internationalen Flottille treffen. Hier verbringen wir eine tolle Zeit, wir schnorcheln in den umliegenden Riffen und finden eine lebendige und farbenfrohe Unterwasserwelt. Wir erkunden die umliegenden Inseln mit dem Dingy, treffen uns mit alten und neuen Freunden an der Strandbar oder verbringen gemütliche Abende mit Kartenspielen und Rumpunsch auf der Belle Amie. So hatten wir uns das Segelerleben in der Karibik eigentlich vorgestellt 😊 Nach einigen Tagen entschließen wir uns zusammen mit Olaf und Moni weiterzuziehen, um noch weitere der schönen Ankerplätze zu erkunden. 

Unser heutiges Ziel ist Coco Bandero. Hier soll es einige zutrauliche Ammenhaie geben, die wir gerne sehen wollen. Und tatsächlich, schon bei der Einfahrt zwischen den kleinen Inseln, sehen wir immer wieder dunkle Schatten durch das Wasser gleiten. Gleich nachdem der Anker gefallen ist, besucht uns auch schon der erste große Ammenhai, der bis an usere Badeplattform herankommt und ein paar Runden dreht. 

Nach ein paar Minuten trauen wir uns dann auch in Wasser, um vielleicht noch ein schönes Bild mit der GoPro unter Wasser zu machen, der Hai scheint jedoch Kamerascheu zu sein und taucht vorerst nicht mehr auf.

Wir erkunden also die Inseln, gehen ein bisschen am Ufer spazieren und treffen uns zum Sundowner. Wir lieben die Abende mit Olaf und Moni. Es ist immer lustig, unkompliziert und ungezwungen. Mal kochen und essen wir zusammen, mal treffen wir uns nur für ein Getränk und mal 'zechen‘ und 'zocken‘ wir die halbe Nacht. Fast schon ein bisschen wie Familie.  Am nächsten Tag schlägt das Wetter um. Es kommen heftige Regenschauer und es ist grau in grau. Die Regenzeit in Panama steht vor Tür. Auch die Aussichten in der kommenden Woche sehen nicht besser aus, für einige Tage sind Regen und Gewitter gemeldet. Wir beschließen daher zurück nach Bannedup zu fahren. Zum einen hat es uns dort sehr gut gefallen, zum anderen ist es ein großer und von umliegenden Riffen geschützter Ankerplatz.
Der kommende Tag ist noch recht ruhig, so segeln bzw. fahren wir gemütlich zurück und gönnen uns ein weiteres Abendessen im Restaurant von Ibin. Hier waren wir beim letzten Aufenthalt schon und es hat uns sehr gut gefallen. Es gibt fangfrischen Fisch, Kokosreis, ein Gemüsecurry und selbst gebackenes Kokosbrot. Dazu auch noch eine Geschichtsstunde vom Inhaber, zur Geschichte, bzw. dem Glauben der Gunayala, die in Bildern auf großen Wandbehängen in seinem Restaurant dargestellt wird. Sehr abstrakt, aber auch spannend.

Am nächsten Tag kommenden dann auch die angekündigten Gewitter. Dunkle Regenwolken schieben sich langsam über den Himmel und es grollt in der Ferne. Irgendwann ist das Gewitter dann auch genau über uns. Es donnert und blitzt, jedoch ist es komplett windstill. Ganz anders, als wir es aus dem Mittelmeer kennen. Da wurden Gewitter eigentlich immer auch von Starkregen und Sturmböen begleitet. So wirkt es irgendwie weniger bedrohlich und ist eigentlich sogar ein schönes Naturschauspiel. Nachteil daran, dass kein Wind das Gewitter begleitet ist, dass die Wolken leider auch nicht weiterziehen. So kam es wie es kommen musste… nachdem das Gewitter schon einige Zeit recht nah war, krachte ein ohrenbetäubender Donner, dicht gefolgt von einem Blitz direkt über uns. Wir haben uns so erschreckt, dass Micha, der noch draußen saß, mit einem Satz den Niedergang runtergesprungen kam. Wir haben uns ungläubig angeschaut und wussten im ersten Moment nicht, was das nun genau war, so etwas hatten wir noch nie gehört. Irgendwo ganz in der Nähe muss der Blitz eingeschlagen haben. Bei uns? Auf den ersten Blick nicht, Mastaufbauten und VHF-Antenne sind in Ordnung, wir haben Strom und auch die elektrischen Geräte funktionieren. Auch an Land können wir nicht erkennen, keine Palme ist gespalten oder brennt, auch kein anderes Boot scheint auf den ersten Blick beschädigt. Auch Olaf und Moni stehen an Deck und inspizieren Ihren Mast, dann winkt uns Olaf mit dem Handfunkgerät. Nach einem kurzen Gespräch und Check, ob es allen gut geht und alle Mastaufbauten noch zu sehen sind, gehen wir davon aus, dass wir mit dem Schreck davongekommen sind. Bis wir am nächsten Morgen weiterfahren wollen… Wir bereiten alles vor, starten die Motoren und schalten die Navigationselektronik ein. Da hören wir dann einen ungewöhnlichen, klagenden Piepton, der langsam leiser wird und verklingt. Damit hat sich dann unser Windinstrument verabschiedet… Keine Windanzeige, somit auch ein Fehler im Autopiloten und auch die Anzeige von Tiefe und Geschwindigkeiten zeigen nur Striche. Sch…

Also muss uns der Blitz dann doch erwischt haben. Wir schreiben schnell Olaf und Moni, dass wir Probleme haben und nicht losfahren können. Es dauert nicht lange und wir bekommen eine ähnliche Antwort zurück. Auch bei unseren Freunden streikt die Navigationselektronik. Also Motoren wieder aus und auf Fehlersuche gehen. Glücklicherweise kennt Micha sich inzwischen so gut aus, dass die Fehler, bzw. defekten Geräte schnell identifiziert sind. Es hat den Windgeber am Mast erwischt, das Windinstrument und die die Netzwerkverbindung unseres Tridata Instrument (Tiefe, Geschwindigkeit, Temperatur). Naja, ärgerlich aber wir lassen uns nicht entmutigen. Besser uns passiert das hier, wo wir die Geräte noch ersetzten können, als mitten auf dem Pazifik wo wir ja hoffentlich bald sein werden.
Auch bei Olaf und Moni hat es glücklicherweise nur die Navigationselektronik erwischt. So sind wir etwas gehandicapt, können aber am nächsten Tag weiterfahren. Einen letzten Stopp in den schönen San Blas wollen wir noch einlegen, bevor wir uns langsam auf den Weg nach Panama City bzw. zur Shelter Bay Marina machen.
Wir machen also noch mal im Nordwesten der San Blas Inseln, in den Chichime Cays halt. Wir haben von anderen Seglern gehört, dass hier ein Häuptling der Guna ein Bar betreibt, der sich immer über deutsche Segler freut. Er spricht ein wenig deutsch und liebt deutsche Schlager, was immer mal wieder in einer Karaoke Session demonstriert wird. Leider ist der Häuptling nicht vor Ort, also auch leider kein Karaoke. Wir genießen ein letztes Abendessen in der Strandbar und machen uns am nächsten Tag auf den Weg Richtung Panama Festland.

 
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